Andelfinger Zeitung 11.11.2004
 

Bilder, Gixs und Gags von Bruno Giacobbo in Kleinandelfingen

Faszination der Vielschichtigkeit

b.a.r. Am heutigen Freitagabend wird in der Galerie im Gemeindehaus Kleinandelfingen die Ausstellung des Bildermachers, Möbelrestaurators, Antiquitätenhändlers und Galeristen Bruno Giacobbo eröffnet. Zu sehen und zu bewundern sind die äusserst dekorativen vielschichtigen Bilder und verschiedene humorvoll gestaltete Skulpturen und Leuchter. Diese bemerkenswerte und sehr spezielle Ausstellung dauert bis zum 5. Dezember.

Nach dem bewährten Motto «Warum auch in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah!» bietet das Galeristenpaar Heinzle dem in Rheinau lebenden und wirkenden Künstler Bruno Giacobbo Gelegenheit, der Bevölkerung des Weinlandes einen Einblick in sein künstlerisch vielseitiges Schaffen zu geben. Giacobbo, der ursprünglich den Beruf des Innendekorateurs erlernte, wurde sich bald bewusst, wie kurzlebig und vergänglich seine kunstvoll gestalteten Dekorationen waren. Deshalb wandte er sich der Restauration von alten Möbeln zu, die sich dank intensiver Behandlung in wahre Schmuckstücke verwandeln und - im Gegensatz zu den Pappdekorationen - fast schon für die Ewigkeit bestimmt sind. Als Ausgleich zu dieser anspruchsvollen Möbelbearbeitung nimmt sich Giacobbo immer wieder einmal eine kreative Auszeit, um seine unzähligen künstlerischen Einfälle und Fantasien in die Tat umzusetzen.

Vielschichtige Bildgestaltung
Grosse Plakatwände, die beklebt sind mit mehreren Schichten Papier, das langsam abblättert, sind der eigentliche Ursprung der Bildtechnik, die der Künstler in einem langwierigen Verfahren erarbeitet hat. Die ersten Versuche, Holzplatten mit verschiedenen Papierschichten zu bekleben, scheiterten an der Zugkraft des verleimten Papiers, der sich jedes Holz im wahrsten Sinne des Wortes beugen musste. Ebenso schlugen verschiedene Klebversuche fehl, bis dann der richtige Leim gefunden wurde, der die verschiedenen Papierschichten wirklich gut zusammenhält. Schliesslich musste sich der versierte Holzbearbeiter damit abfinden, dass nur Metall als Unterlage seiner Bildwerke in Frage kam.
Eine metallene Sandwichplatte, die aus zwei Aluplatten und einer dünnen Gummischicht dazwischen besteht, dient heute als optimaler Haftgrund der bis zu dreissig übereinander geklebten Papierschichten. Dabei handelt es sich um Plakate, Inserate, Katalogseiten, wobei oft bewusst Schriftzüge und verschiedenste Bilder aufgeklebt werden. Schliesslich wird die Tapezierarbeit mit einer weissen Farbschicht überzogen. Bereits nach diesen Arbeitsvorgängen erscheint es klar, warum sich Giacobbo nicht als Maler sondern als Bildermacher bezeichnet.

Nun beginnt die eigentliche künstlerische Arbeit, denn mit Schleifer, Messer und Bohrer werden untere Schichten stellenweise freigelegt, wobei verschiedenste Motive zum Vorschein kommen, teilweise bewusst geplant, teilweise durch Zufall. So entsteht eine faszinierende reliefartige Landschaft, die zum Schluss noch zwei- bis dreimal versiegelt wird. Spannend an den so entstandenen Bildern ist, dass sie sowohl aus der Ferne wie aus der Nähe den Betrachter beeindrucken. Während von weitem ein wohltuender Gesamteindruck entsteht, kann man sich bei näherer Bildbetrachtung in unzähligen Details verlieren. Ganz klar ist, dass es sich nur dann um einen Original Giacobbo handelt, wenn irgendwo noch ein kleiner Radfahrer zu entdecken ist.

Skulpturen mit Witz
Der Schalk und Witz, der schon bei einigen Bildern sanft spürbar ist, offenbart sich bei den ausgestellten Skulpturen sehr deutlich. Eine der neusten Kreationen ist die «Wellblechkuh», die - dem Rationalisierungstrend entsprechend - nur mit einem Löffelohr und einem Horn versehen ist.
Fast märchenhaft hingegen wirken die beiden aus zwei Ziegelsteinen geschaffenen Kreationen «Demilune» und «Wasserschloss».
Zum Schmunzeln regen die Gipsfiguren an, die der Künstler witzig bemalt und mit kleinen Accessoirs versieht. So ist die als «Landei» bezeichnete Dame nicht nur mit einem Nasenring sondern mit einem Ei geschmückt, was die Richtigkeit des Namens klar unterstreicht. Selbstverständlich trägt der «Biomax» eine Kette mit dem bekannten Knospenlabel.
Auch bei all den anderen Kreaturen, seien es Vögel, Katzen oder Leuchtobjekte, kommen der unerschöpfliche Ideenreichtum und die humorvolle Lebenseinstellung des Künstlers klar zum Ausdruck. Jedes noch so unscheinbare oder unnütze Stück kann als Teil eines neuen Kunstwerks verwendet werden.
Schliesslich sei noch auf die aus Beton gegossenen und witzig bemalten Flaschen hingewiesen. Der «Problem-Löser» wird sicher reissend Absatz finden. Der Besuch dieser stimmungsvollen Ausstellung im Gemeindehaus Kleinandelfingen darf als erfrischende Bereicherung bezeichnet werden.

11.11. 04
Beat Rajchman, Marthalen

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