SELBSTHILFE BEI ORDNUNGSZWÄNGEN

Wenn Sie unter Ordnungszwängen leiden, geraten Sie in Panik, wenn ihre Ordnung durcheinander gebracht oder bestimmte Gegenstände beschädigt werden. Sie verbringen viel Zeit damit, Ihre Dinge nach einem ganz speziellen System pedantisch zu ordnen. Zur Überwindung der Ordnungszwänge können Sie sich selbst helfen, indem Sie folgende Punkte beachten:

  • Identifizieren der Unordnung: Gehen Sie durch Ihre Wohnung und werden sich darüber im Klaren, was alles von Ihnen pedantisch geordnet wird (z.B. Bücher, Bettdecke, Yoghurtbecher im Kühlschrank, Kleiderschublade in der Kommode). Identifizieren Sie nun die Situationen, die bei Ihnen Unruhe, Angst oder den Drang, die Dinge wieder zu ordnen auslösen, und schätzen Sie diese auf einer Angstskala zwischen 0 (keine Angst) und 100 (panische Angst) ein. Bitten Sie eine Vertrauensperson, Ihnen bei der Bewältigung des Ordnungszwangs zu helfen. Beginnen Sie zunächst mit Situationen, die mässiges Unbehagen (zirka 50) bei Ihnen auslösen.
  • Konfrontation: Bitten Sie Ihre Vertrauensperson, Ihre Ordnung in einem bestimmten Bereich (z.B. Schublade des Schreibpults) zu zerstören. Betrachten Sie nun das neue Arrangement so lange, bis Ihr Unbehagen erheblich abgenommen hat. Lassen Sie die Unordnung bestehen und betrachten Sie im Laufe des Tages immer wieder von neuem so lange, bis sich Ihr Unbehagen gelegt hat. Nachdem Sie es geschafft haben, in einem Bereich ein ‚Chaos’ zuzulassen und stehen zu lassen, schreiten Sie mutig voran zur nächsten Situation (z.B. Kleiderbeige im Schrank). Bitten Sie Ihre Vertrauensperson, die sorgfältig und millimetergenau gestapelten T-Shirts und Pullover herauszunehmen und danach wieder ‚normal’ zu versorgen. Da die Zeitdauer bis zur Reduzierung des Unbehangens stark von Person zu Person variiert, machen Sie die Übung immer wieder so lange, bis Sie kaum mehr einen Drang verspüren, nun unmittelbar und sofort wieder die ursprüngliche Ordnung herzustellen.
  • Reaktionsmanagement: Wie Sie bereits wissen, können Sie den Zwang nur dann in Griff bekommen, wenn Sie konsequent auf die Ausführung der Zwangsrituale, d.h. auf die Wiederherstellung der zwanghaften Ordnung, verzichten. Damit entziehen Sie dem Zwang die ‚Nahrung’, die er bräuchte, um weiter zu existieren.

    Da der Zwang zur Ordnung oft nicht als Reaktion auf eine bestehende Unordnung, sondern eher als starkes ‚Bedürfnis’ nach einer perfekten Ordnung erlebt wird, kann die Veränderung auch so erfolgen, dass Sie zunächst auf die Ausführung der Zwangsrituale verzichten und später zulassen, dass Dinge absichtlich in Unordnung gebracht werden. Hierzu können Sie für sich oder mit Ihrem Partner zusammen verbindliche Absprachen treffen, welche Tätigkeiten zur Wiederherstellung der zwanghaften Ordnung Sie künftig unterlassen werden (z.B. Yoghurtbecher 'einfach so' und nicht zwanghaft geordnet in den Kühlschrank stellen).
 
 
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